Kolumne in der SUPERillu: "Vom Kampf gegen das Feindbild Auto"

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Kommentare: 10
  • #1

    Dr. Ulrich Link (Donnerstag, 10 August 2017 22:58)

    Vielen Dank, Herr Vaatz. Endlich ein Politiker, der es wagt, den ideologischen Hintergrund des "Diesel-Skandals" offenzulegen und auf die naturwissenschaftlichen Fakten hinzuweisen. Heute macht man den Verbrennungsmotoren den Garaus und predigt Elektroautos. Wenn bzw. falls die einmal nennenswerte Marktanteile haben, wird man feststellen, dass sie eine "ganz schlechte CO2-Bilanz" aufweisen und den Krieg gegen das Auto fortsetzen. Den Ökoextremisten geht es keineswegs um die Gesundheit der Bürger, sonst müssten Arbeitsplätze wegen des dort geltenden Grenzwerts lange vor den Dieselmotoren verboten werden. Und immerhin war die Luft noch nie so gut wie heute. Es geht ausschließlich um den Kampf gegen den motorisierten Individualverkehr. Dazu ist jeder willkürliche Grenzwert gut.
    CDU-Kurswechsel hat zu der Problematik bereits mehrfach Stellung genommen:
    - https://www.facebook.com/503049199894675/photos/a.512872715578990.1073741828.503049199894675/689794667886793/?type=1&theater
    - https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=693067707559489&id=503049199894675
    - https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=696047103928216&id=503049199894675
    - https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=697073657158894&id=503049199894675

  • #2

    Oliver (Freitag, 11 August 2017 00:12)

    Sehr geehrter Herr Vaatz das schlimme ist das Sie eine vollkommene Unkenntnis des Themas aufzeigen, das Grenzwerte die von dee EU festgelegt wurden, seid mehren Jahren überschritten werden und Sie es als Volksvertreter nicht interessiert. Es wundert mich das Sie nicht einen atomaren Antrieb für Automobile fordern....
    Die Möglichkeiten sind da, Deutschland hätte die Möglichkeiten an einer neuen sauberen Industrie führend zu sein, aber wird durch die Unfähigkeit die Chancen zu ernennen, kaputt regiert.
    Wie schön wäre es wenn ein intelligenter Politiker fernab vom Koalitionszwang seine Meinung frei vertreten könnte, aber das wird so schnell nicht passieren....leider

  • #3

    Dr. Böhme-Korn (Freitag, 11 August 2017 16:54)

    Lieber Arnold,
    ich glaube, hier machst du es dir doch ein wenig zu einfach - auch wenn man Leser der "Bild am Sonntag" nicht mit gar zu komplizierten Überlegungen konfrontieren sollte. Eine m.E. solide Darstellung zur Grenzwertproblematik liefert das Umweeltbundesamt: http://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft - eine bloße Kumpanei der Entscheider mit Ökofanatikern zu vermuten, geht ein wenig weit.
    Und natürlich ist es naturwissenschaftlich richtig, dass ein hoher Wirkungsgrad der Motoren hohe Temperaturen verlangt, und das nicht ohne erhebliche Stickoxidbildung zu erreichen ist, wenn man Luft als Sauerstoffquelle verwendet. Aber es gibt nachgeschaltete Reinigungstechniken, die zweifellos nicht ganz trivial und bequem zu handhaben, insbesondere nachzurüsten sind, aber letztlich praxistauglich vorliegen.
    Und auch ich sehe ein Fehlverhalten von Managern, die - meist mit Fünfjahresvertrag mit dementsprechend kurzfristig basierten Boni ausgestattet - bei Weitem niucht die innere Bindung an den dauerhaften Erfolg eines Unternehmens haben wie die Führer von Familienunternehmen. Aber die Hinnahme von Grenzwerten als Hauptfehler anzusehen, geht m.E. in die Irre - das Problem ist eher die Orientierung an kurzfristiger Gewinnoptimierung - abgeschtriebene Anlagen und Trechniken bringen da nun mal mehr als Innovatives. Ich habe schon vor knapp zwanzig Jahren die Bremserrolle der deutschen Industrie bei den Rußpartikelfiltern für Diesel für einen fundamentalen Fehler gehalten, und jetzt ist es ähnlich.
    Nein, der Schlüssel zum Erfolg liegt wohl in der Technologieführerschaft, also am Steuer der Entwicklung und nicht in möglichst starken Bremsen. Gilt übrigens auch für die Energiepolitik - dort sind allerdings auch nach meiner Meinung (ich bin Elektromonteur) erhebliche Fehler gemacht worden, ist aber ein anderes Thema.
    Zur politischen Quintessenz: Ja, es ist viel bewusste Ablenkung von anderen Fragen und auch viel grundsätzliche Autofeindschaft im Spiel. Aber die Botschaft muss doch sein (so auch z.B. bei den Geräuschemissionen): Alles für die Gesundheit Unbeteiligter - wollen wir auch. Aber - anders als Linksgrün - ohne Einschränkungen und Verbote, sondern durch erstklassige Technologie. Wir können das - besser als viele Andere - und wir müssen das auch offensiv vertreten. Das erwarten wir sowohl in der Politik der Autokonzerne als auch in der Politik der Bundesregierung.
    Beste Grüße,
    Georg
    .

  • #4

    Kurt Simmchen (Samstag, 12 August 2017 13:08)

    Klare Worte von Arnold Vaatz. Wenn Stickoxide dann alle und nicht nur die, die zum Feindbild der Ökofaschisten passen.
    Nehmen Sie dieses Harte Wort ernst. Ich habe mal in den Vorhaben der GA "Deutsche Einheit" geblättert und in alten Idealen der damals noch nicht so etablierten wirklichen Grünen.
    Verlagerung des Verkehrs aufs Wasser - schaut Euch die Elbe an. Kein Kommentar weiter nötig. Sand und Steine sind keine Eilfracht.
    Verlagerung der Transporte von der Straße auf die Schiene. Wo sind die lauten Proteste der Ökoextremisten.
    Ich bin gestern wieder mal in meine jetzige Heimat Ukraine gefahren. Rechte Spur = Lkw-spur.
    127 Lkw am Stück ohne Lücke zu einordnen, wenn man überholt hat, waren das Schlimmste.
    Alles Termin- und Eilfracht?
    Für den Wahnsinn der Transporte versiegeln wir tausende von Hektar Land für Parken und Service, anstatt das System Schiene zu modernisieren, statt die Unternehmen zum zweiten Fahrer und einen wirklichen Kabine zu zwingen, bezahlt der Steuerzahler die Sozialverpflichtungen der Speditionen.
    Hier höre ich nicht von den Grünen und den Linken.
    Ist die Lobby der Speditionen so stark?

  • #5

    Tom (Dienstag, 15 August 2017 17:29)

    Sehr geehrter Herr Vaaz,
    zunächst vielen Dank, dass Sie hier Kommentare als Reaktions- und Konatktmöglichkeit mit Ihnen eröffnen.
    Leider richten Sie mit Ihrer Argumentation zumindest bei mir erheblichen Schaden an. Ihnen als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter meines Wahlkreises sollte ich in besonderem Maße vertrauen können, dass Sie die relevanten Themen faktenbasiert analysieren und nur Ihrem Gewissen unterworfen vertreten. Dafür werben Sie aktuell auch um meine Stimme.
    Trotzdem ich Ihnen grundsätzlich zustimme, dass Aktionismus in der Diesel-Debatte nichts bringt, empfinde ich Ihre Grenzwerte-Argumentation als sehr oberflächlich, postfaktisch und populistisch. Wie bereits vom Kommentator Dr. Böhme-Korn angedeutet (und nur einen Klick entfernt), dient ein allgemeiner Grenzwert für Lufqualität dazu, dass auch Babys und alte sowie vorerkrankte Menschen in Innenstädten (über-)leben können. Dieser Personenkreis ist gerade nicht Zielgruppe eines arbeitsplatzbezogenen Grenzwertes, sondern gesunde erwachsene Arbeitende. Bei allem Respekt: Die Art Ihrer Argumentation enttäuscht mich, und sie ist vor allem kein Vertrauensvorschuss.
    Ferner ist mir aufgefallen, dass Sie bei anderen Standards durchaus härter argumentieren. Bei der kürzlichen Debatte zu den Aufbewahrungsvorschriften für Legalwaffen haben Sie sich für den schärfsten Sicherheits-Standard eingesetzt gleichwohl es dafür keine nachvollziehbaren Vorkommnisse in relevanter Häufigkeit, dafür aber eine sinnvolle und akzeptable Alternative gibt. Mit Ihren Worten könnte man das Sicherheitsfanatismus nennen; verhältnismäßig ist es jedenfalls nicht.
    Herzlich gelacht habe ich dann noch über Ihren "aussagekräftigen Sprachgebrauch" zum Volkseigentum unserer Autokonzerne, bis ich gemerkt habe, dass Sie das tatsächlich ernst meinen.
    Mit freundlichen Grüßen

  • #6

    Vaatz (Mittwoch, 16 August 2017 14:18)

    Dr. Böhme-Korn:
    Vielen Dank für Deinen Eintrag. Leider erklärst Du nicht, weshalb die Grenzwerte bei Stickoxiden am Arbeitsplatz um das 20-fache höher sein dürfen als auf der Straße.

    Tom:
    1. Die NOx-Grenzwerte an Arbeitsplätzen gelten auch in für Arbeitsplätze in Kindergärten,Schulen und Reha-Kliniken.
    2. Die Anzahl der Groß- und Kleinaktionäre der Deutschen Auto-AGs erlaubt es nicht nur sondern erfordert es geradezu, endlich von Volkseigentum und der damit einhergehenden organisierten Verantwortungslosigkeit (um einen üblichen Sprachgebrauch aus DDR-Zeiten aufzugreifen) zu sprechen, zumal einer der Haupteigentümer bei VW sogar das Land Niedersachsen ist.
    3. Ich möchte Ihnen nicht die Kraft zu Ihren Vorurteilen nehmen. Aber um die wissenschaftliche Qualifikation Ihres Beitrages etwas zu schärfen, empfehle ich Ihnen die Lektüre des Artikels "Was wirklich zum Himmel stinkt" von Prof. Dr. Matthias Klingner in der Sächsischen Zeitung vom 16. August 2017.
    4. Auch gehörte es früher zu den ungeschriebenen Gesetzen der Höflichkeit und des Guten benehmens sowie zur Sorgfalt in der Gesprächskultur, Namen richtig zu schreiben. Aber heutzutage kann man sich ja mal vertippen.
    Gruß Vaatz

  • #7

    Tom (Donnerstag, 17 August 2017 23:32)

    Sehr geehrter Herr Vaatz,

    vielen Dank dass Sie hier detailliert auch auf meine Anmerkungen antworten.
    Es tut mir leid, dass ich Ihren Namen falsch geschrieben habe. Es lag mir fern, Ihnen gegenüber unhöflich zu sein oder mich gar daneben zu benehmen. In der Tat war ich nicht sorgfältig genug, und ich bitte Sie dafür um Entschuldigung.
    Erlauben Sie mir dazu bitte noch folgende Anmerkung: Auch mein Name wird nicht immer korrekt geschrieben, was ich nicht immer toleriere. Allerdings läge es mir in einem solchen Falle grundsätzlich fern, den Falschschreiber in der Öffentlichkeit dafür zu rügen. Es wäre mir einfach zu albern und zu ichbezogen. Und dass Fehler sogar bei sehr hohen eigenen Maßstäben passieren können, zeigt Ihre Schreibweise "des Guten benehmens" (Stand 17.08.20017, 11.00 Uhr). Aber in Wirklichkeit denke ich, diesen Lapsus haben Sie als geschulter Rhetoriker absichtlich als Köder ausgelegt.

    Ich bin nach wie vor verwundert darüber, dass Sie die für Angehörige des deutschen Volkes (so verstehe ich den von Ihnen verwendeten Begriff) bestehenden Investitionsmöglichkeiten in börsennotierte Unternehmen als "Volkseigentum" bezeichnen. Leider habe ich nicht die Zeit, mich intensiv mit den Aktionärsstrukturen der deutschen Auto-AGs zu befassen. Dieser schon ältere Artikel scheint mir aber zu bedeuten, dass Ihre Begriffswahl mindestens fraglich ist, wenn sich im Schnitt die Dax-Konzerne nicht mal mehrheitlich in deutschem Eigentum befinden (https://www.welt.de/finanzen/article106240763/Dax-Konzerne-mehrheitlich-in-auslaendischer-Hand.html) Aber vielleicht meinten Sie ja auch das chinesische Volk. Und zumindest die damalige Streuung beispielsweise der BMW-Aktien fasse ich eher als Familien- denn als Volkseigentum auf.
    Es geht Ihnen im Kern allerdings um die Verantwortungslosigkeit in solchen Unternehmen. Ich war bisher der Ansicht, dass es sich in aller Regel um die Verantwortung für Kursentwicklung und Dividendenhöhe gegenüber den Aktionären handelt. Das erreicht man meiner Erfahrung nach mit guten Produkten auf einem zahlungskräften Markt, also beispielsweise mit leistungsstarken, schicken und prestigeträchtigen Autos. Das scheint mir den deutschen Firmen bisher ganz gut gelungen zu sein. Das Ziel diese Produkte umweltfreundlich zu gestalten, sollte sich mit der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte erfüllen. Und die Verantwortung dafür - Festlegung, Kontrolle und Ahndung - obliegt wohl dem Staat, der derzeit und sicher auch künftig von Ihrer Partei mitregiert wird. Das Interesse der Aktionäre tritt erst dann wieder vor, wenn es mit dem Gewinn abwärts geht, wofür der Dieselskandal eine Ursache sein könnte. Mir stellt sich die Frage, wer in Sachen Dieselproblematik versagt hat: Aktionäre oder Staat?

    Es tut mir leid, dass Sie den Eindruck haben, ich hätte Vorurteile. Selbst wenn dem so wäre, hoffe ich Sachargumenten zugänglich zu sein. Sie wollen meiner Auffassung nach zum Ausdruck bringen, die Grenzwerte seien wissenschaftlich nicht haltbar. Was soll ich als Bürger dazu sagen? Selbstverständlich muss ich mich stets an geltendes Recht halten! Ferner habe ich nicht die Fachkompetenz und auch nicht die Mittel, die fachlichen Argumentationen zu verfolgen geschweige denn zu prüfen. Auch wenn mir meine persönliche Erfahrung sagt, dass Entscheidungen in Parlamenten nicht immer faktenbasiert fallen, habe ich doch die Hoffnung, dass es im Grundsatz funktioniert. Diese Verantwortung übertrage ich ja per Wählerstimme am Wahltag den Abgeordneten in den lokalen und überregionalen Parlamenten. Ich entnehme allerdings Ihrer Argumentation, dass es Ihnen als Bundestagsabgeordneter schwerfällt, sich bei erkannten Verstößen gegen die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung durchzusetzen, beispielsweise beim Dieselskandal, wohl aber auch bei Energiewende und Atomkraft.
    Aber warum zum Teufel veröffentlicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinem Bildungsauftrag und seinem Neutralitätsgebot so etwas? (http://www.br.de/nachrichten/stickoxide-wann-gefaehrlich-100.html) Ich als Bürger mit begrenztem Zeitkontingent muss mich doch auf unsere öffentlich-rechtlichen Medien verlassen können, jedenfalls gebe ich die Hoffnung noch nicht auf.

    (wird fortgesetzt)

  • #8

    Tom (Donnerstag, 17 August 2017 23:35)

    Fortsetzung:

    Allerdings mache ich es mir einfach: Ich kann und muss nicht beurteilen können, ob die Grenzwerte sinnvoll sind oder nicht. Ich verlasse mich einfach darauf. Aber vor einigen Wochen musste ich als Fußgänger und ein wenig gestresst in Stuttgart an einer vielbefahren Straße zu lange an einer Ampel warten. Es war heiß, der Verkehr war fürchterlich laut und mein Hals kratzte, so dass ich sensibel für die Abgase war. In Stuttgart kann man auf der Straße viel mehr schicke Autos wahrnehmen, als in unserem gemeinsamen Wahlkreis. Da schaue auch ich gern hin. So kam auch ein Tesla direkt an der Spur vor mir vorbei. Ich konnte den nicht hören in dem Lärm und mir kam zumindest in den Sinn, dass er nicht stinken kann. CO²-Bilanz hin oder her: Ich wünschte mir eine ruhige Stadt voller E-Autos und das Vermögen, um einen solchen verdammten Tesla kaufen zu können. Schön wäre allerdings neben einem solchen Vermögen, wenn an dem Fahrzeug dann ein Stern oder der BMW-Schriftzug wäre - aber die brauchen wohl noch eine Weile. Soweit zu meiner Erfahrungswelt. Den fachlichen Part überlasse ich ganz Ihnen und Ihrer wissenschaftlichen Qualifikation.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit nerve, noch ein Beispiel aus meiner Erfahrungs- und Interessenwelt zum Thema, wie fachlich fundiert politische Entscheidungen getroffen werden. In Paris geschah ein schrecklicher Terroranschlag mit vollautomatischen Waffen. (Zur Erinnerung: Das sind solche Waffen, die in ganz Europa für Privatpersonen bereits verboten sind, allerdings im Sinne einer Ausnahme in der Schweiz bei gedienten Bürgern im Kleiderschrank stehen dürfen.) Als Reaktion forderte der Kommissionspräsident die Verschärfung des Waffenrechts und das EU-Parlament hat eine solche auch beschlossen. Unabhängig davon, ob man Befürworter oder Gegner eines liberalen Waffenrechts ist: Jeder Sachkundige weiß, dass es keinen sachlichen Zusammenhang zwischen dem Vorkommnis, der Forderung und dem Gesetz gibt. Ähnlich sehe ich es auch bei den von Ihnen mit vertretenen Verschärfungen der Aufbewahrungsvorschriften für Legalwaffen. Sind Ihnen auf der einen Seite die Stickoxid-Grenzwerte viel zu hoch und wissenschaftlich nicht begründbar, so war Ihnen kein Sicherheitsstandard für die Aufbewahrung zu scharf. Man kann diese Meinung durchaus vertreten, doch wenn es effektive Alternativen gibt, die die Rechte der Betroffenen weniger beeinträchtigen, war es meiner und der Meinung vieler Fachleute nach die falsche Entscheidung. Bleibt mir die Hoffnung, dass Sie sich bei diesem Thema auch intensiv mit Fachleuten unterhalten haben und nicht etwa Lobby erlegen waren.

    Ich denke dass Ihnen der Dialog mit dem Bürger wichtig ist. Wir sind uns einig darüber, dass dies beiderseits respektvoll erfolgen muss und ich hoffe, dass zu erfüllen. Mein Antrieb Ihnen hier zu schreiben ist zum Ausdruck zu bringen, dass meiner Ansicht nach in einer sachlich begründeten Argumentation der Schlüssel guter Politik liegt. Dafür bin ich sehr zugänglich, auch wenn ich dann und wann sachlich anderer Meinung bin. Begriffe wie Feindbild, Kumpanei, Ökoextremismus und in diesem Zusammenhang auch Volkseigentum sind weniger geeignet, mich als Wähler zu überzeugen.

    Ich bin ziemlich sicher, Ihren Namen dieses Mal einwandfrei geschrieben zu haben. Für alle andere Rechtschreib-, Ausdrucks- und Grammatikfehler bitte ich schon vorab um Ihre Entschuldigung und verbleibe mit

    freundlichem Gruß.

  • #9

    Alexander zu Hohenlohe (Freitag, 18 August 2017 12:46)

    Sehr geehrter Herr Vaatz,

    ich hatte mich in dieser Sache an das BMUB gewandt und erhielt heute die u.a. Erläuterungen zu den unterschiedlich festgesetzten Grenzwerten. Ich übermittle sie wegen Ihrer Zeichenobergrenze in zwei Teilen.

    Viele Grüße
    Alexander zu Hohenlohe

    zuhohenlohe@yahoo.de
    Lindenring 16
    O1796 Pirna-Birkwitz

    TEIL 1 Antwort BMUB:

    Am Fr., Aug. 18, 2017 at 11:11 schrieb BMUB Bürgerservice
    <service@bmub.bund.de>:
    Sehr geehrter Herr zu Hohenlohe,



    vielen Dank für Ihre Nachricht vom 2. August 2017 an Frau Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks. Da Frau Dr. Hendricks die Vielzahl der täglich eingehenden Anfragen und Kommentare leider nicht alle persönlich beantworten kann, hat sie uns gebeten, dies für sie zu übernehmen.



    Zu Ihrer Frage der unterschiedlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Außenluft und am Arbeitsplatz können wir Ihnen folgendes mitteilen:



    Der EU-Grenzwert (Jahresmittelwert) für die Stickstoffdioxidkonzentration (NO2) in der Außenluft beträgt 40 µg/m³ – der Arbeitsplatzgrenzwert ist mit 950 µg/m³ wesentlich höher. Die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK) ist ein Wert für die zeitlich begrenzte Belastung gesunder Arbeitender, während durch NO2 in der Außenluft auch empfindliche Personen rund um die Uhr betroffen sein können.



    Bei der Ableitung von Grenzwerten für Stickstoffdioxid (NO2) in der Atemluft können für die Allgemeinbevölkerung nicht die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie für Arbeitsplatzgrenzwerte (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration, MAK). Der MAK-Wert für NO2 ist eine wissenschaftliche Empfehlung der ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft und entspricht in seiner Höhe ebenfalls dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Arbeitsplatzgrenzwerte gelten nur für Arbeitende an Industriearbeitsplätzen, bei denen aufgrund der Verwendung oder Erzeugung bestimmter Arbeitsstoffe eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung zu erwarten ist. NO2 entsteht beispielsweise – bzw. wird verwendet – bei Schweißvorgängen, bei der Dynamit- und Nitrozelluloseherstellung oder bei der Benutzung von Dieselmotoren. Der Arbeitsplatzgrenzwert hat unter anderem einen anderen Zeit- und Personenbezug als der Grenzwert für die Außenluft: Der Wert gilt für gesunde Arbeitende an acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden in der Woche.


    (es folgt Teil 2)







  • #10

    Alexander zu Hohenlohe (Freitag, 18 August 2017 12:53)

    Teil 2 der Antwort BMUB vom 18.8.17 an mich:



    Bei der Ableitung von MAK-Werten werden zumeist Probandenstudien oder tierexperimentelle Studien zugrunde gelegt. Die Probandenstudien sind im Regelfall so ausgelegt, dass gesunde Personen mittleren Alters (sog. „healthy workers“) an diesen Untersuchungen teilnehmen. Zudem werden die Personen häufig nicht in einer Alltagsumgebung, sondern zum Beispiel an den jeweiligen Arbeitsstätten untersucht, sodass eine mögliche Wechselwirkung mit anderen Schadstoffen des Alltags ausgeschlossen wird. Die zugrunde liegenden Studien sind nicht immer langfristig angelegt und können somit die Folgen jahrzehntelanger vergleichsweise niedriger Stickstoffdioxid-Konzentrationen aus dem alltäglichen Leben außerhalb des Arbeitsplatzes nicht abbilden. Die gesamte Lebenszeit eines Menschen enthält wesentlich längere Expositionszeiten als ein reines Arbeitsleben. Auch dies ist hier zu beachten.



    Für Büroarbeitsplätze sowie Privaträume finden MAK-Werte keine Anwendung. Hier gelten vielmehr die Richtwerte der Innenraumluftkommission des Umweltbundesamtes (Ausschuss für Innenraumrichtwerte, AIR; vormals Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygienekommission, IRK). Die Innenraumluftkommission leitete schon in den 1990er Jahren einen sog. „Richtwert II“ für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft von 60 µg/m³ ab (Wochenmittelwert). Im Innenraum können insbesondere durch Verbrennungsprozesse, beispielsweise bei der Nutzung von Kaminfeuern, Gasherden oder Holzöfen, sehr hohe NO2-Konzentrationen entstehen. Fehlen jedoch solche Quellen in Innenräumen, so wird die Qualität der Innenraumluft unmittelbar von der Außenluftbelastung beeinflusst: Hohe Stickstoffdioxidkonzentrationen in der Außenluft, zum Beispiel in der Nähe stark befahrener Straßen, können also auch zu einer stärkeren Belastung in Innenräumen führen. Diese ist besonders relevant, weil sich die Menschen in Deutschland im Wesentlichen (zu ca. 90 Prozent ihrer Zeit) in Innenräumen aufhalten.



    NO2 in der Außenluft sind hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt, wenngleich die Konzentration je nach Aufenthaltsort schwanken kann. Gerade empfindliche Personen wie Kinder, Schwangere, alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma reagieren zum Teil wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse. Grundlage für die Festlegung von Grenzwerten für Schadstoffe in der Außenluft sind deshalb langfristige, über Jahrzehnte hinweg in Studien beobachtete gesundheitliche Auswirkungen auf die jeweils untersuchten Bevölkerungsgruppen.



    Der EU-Grenzwert von 40 µg/m³ für die NO2-Konzentration in der Außenluft im Jahresmittel stimmt auch mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein. Der Grenzwert wird auf Grundlage von Studien abgeleitet, die Kollektive untersuchen, die im günstigsten Fall repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind und somit auch empfindliche Personengruppen sowie empfindliche Zeiträume des Lebens repräsentieren. Somit sind für die Beurteilung des Gesundheitsschutzes der Allgemeinbevölkerung vor Stickstoffdioxid in der Außenluft der EU-Grenzwert, respektive der WHO-Richtwert in Höhe von 40 µg/m³ im Jahresmittel heranzuziehen.



    Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen weiter geholfen zu haben.



    Mit freundlichen Grüßen

    Im Auftrag



    Ihr Bürgerservice im BMUB

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