Pressemitteilung Vaatz/Steinbach: Menschenrechte sind unteilbar - DDR-Heimkinder dürfen keine Opfer zweiter Klasse sein

Zu den Forderungen der DDR-Heimkinder, dass Misshandlungen und Erniedrigungen in Einrichtungen in Ost wie West gleichermaßen in den Blick genommen werden, erklären der Stellvertretende Vorsitzende Arnold Vaatz und die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Erika Steinbach:

 

"Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird keine Zurücksetzung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kinder- und Jugendeinrichtungen der ehemaligen DDR zu Opfern zweiter Klasse akzeptieren. Bei Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen sind auch Heimkinder aus Ostdeutschland zu berücksichtigen. Wir treten für die Unteilbarkeit der Menschenrechte ein und plädieren deshalb für eine gesamtdeutsche Regelung.

Tausende Kinder und Jugendliche waren in der ehemaligen DDR bis 1989 insbesondere in den sogenannten geschlossenen Kinderheimen und Jugendwerkhöfen unter teilweise erschreckenden, menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Durch ideologische Indoktrination, Misshandlungen und Missbrauch sind diese ehemaligen Heimkinder bis heute traumatisiert. Im Gegensatz zu Heimkindern in der Bundesrepublik hatten sie nicht einmal die Chance, dass eine unabhängige Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte ihnen gegen diese groben Menschenrechtsverstöße zu Hilfe eilten.

 

 

Wenn jetzt Rehabilitationsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Unterbringung von Kindern in westdeutschen Heimen in den 50er und 60er Jahren diskutiert werden, dürfen die ostdeutschen Heimkinder nicht vergessen werden. Ihr Schicksal und seine Folgen müssen uns beschäftigen. Diese minderjährigen Betroffenen konnten sich ihre geographische Lage und den Staat, dem sie ausgeliefert waren, in keinster Weise aus-suchen."

 

Hintergrund: Missbrauch und Misshandlungen in den Einrichtungen der ehemaligen DDR für Kinder und Jugendliche haben eine große Zahl traumatisierter Opfer hinterlassen. Die ehemalige DDR hat in ihren 474 staatlichen Kinderheimen, 38 Spezialkinderheimen, 32 Jugendwerkhöfen und besonders im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau mit der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen immer auch das politische Ziel verfolgt, die Eingewiesenen zu sozialistischen Persönlichkeiten umzuformen. Die Einrichtungen unterstanden dem Ministerium für Volksbildung, seit 1963 also der Ministerin Margot Honecker. Die Umerziehung sollte in den Jugendwerkhöfen durch militärischen Drill und erzwungene Einordnung in das Kollektiv erreicht werden. Im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau waren zwischen 1964 und 1989 über 4.000 Insassen diesem System in seiner schwersten Ausprägung ausgeliefert. Der Direktor dieses Jugendwerkhofes hat selbst in seiner pädagogischen Diplomarbeit beschrieben, wie den Insassen durch Isolationshaft ein "heilsamer Schock" zur Beseitigung "individualistischer Gerichtetheit" versetzt werden könne. Ehemalige Insassen berichten heute, dass dieser Direktor mehrfach einsitzende Jugendliche missbrauchte. Der tatsächliche Umfang des Missbrauchs nicht nur in Torgau wird erst nach und nach bekannt. Bei einem ersten Aufruf gingen bereits 93 Berichte zu sexuellem Missbrauch ein.